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Donnerstag, 12. September 2013

Designerstück vs. Dachbodenfund



Manche Dinge kommen einfach immer wieder bzw. sind nie so richtig weg. Im Falle dieser Möbelklassiker mag es an ihrer schlichten Formschönheit und Vertrautheit liegen. Ein junger britischer Möbelhersteller (Unternehmensgründung 2010) mit dem deutschen Designer Mathias Hahn an Bord entdeckte die Formen schlichter Möbelstücke wieder, wie sie vor ca. 100 Jahren vor allem auf dem Land gebaut wurden. Melkschemel und Bänke mit ausgestellten Beinen inspirieren Another Country (www.anothercountry.com) zur erfolgreichen Neuauflage. 

Bench der Serie One von Another Country (www.anothercountry.com) ca. 560 EUR


Mit ehrlichem Handwerk, einheimischen Hölzern und vertrauten Formen besticht das Unternehmen derzeit auf den internationalen Designmessen. „Es geht uns um Möbel, wie wir sie vom Land kennen, die aber auch in einem urban gestalteten Raum keine Fremdkörper sind“, sagt Paul de Zwart, Mitinhaber von Another Country und ehemaliger Mitgründer des Designmagazins Wallpaper.  

Beim Lesen des Artikels schweift mein Blick durch den Raum. Eines dieser offensichtlichen Ideengeberstücke befindet sich bei mir zu Hause. 







Oft sehe ich Dinge, die beim ersten Anblick nicht wirklich begeistern, aber irgendwie Potenzial ausstrahlen. Bei dieser Bank war genau das der Fall. Noch mit Spinnenweben, grau, rissig, ganz staubig und mit Motoröl verschmiert habe ich sie in einem Trödelladen gesehen. Ähnlich wie der Verkäufer einer alten Badarmatur (zur Geschichte geht's hier), schien auch dieses Mal der Ladeninhaber sehr froh zu sein, doch noch ein paar unerwartete Euros damit verdient zu haben. Die Bank hatte nicht nur einige Jahre sondern auch etliche Holzwürmer auf dem Buckel. Ihr Zustand war wirklich nicht berauschend. Pessimisten wollten sie seiner Zeit schon dem nächsten Winterfeuer weihen, als sie auf dem Rücksitz meines Autos gesichtet wurde. Nichts da! 




Die Oberfläche mit den Holzwurmspuren wurde gut verfüllt. Dank eines sehr hochwertigen Wachses ist die gesamte Bank nach dem notwendigen Schleifen glatt und ansehnlich. Von der Maserung, die nun wieder gut zu sehen ist, bin ich ganz besonders begeistert. Und auch die Füße wurden neu verleimt. 








Wen die alten Spuren nicht stören, kann sich mit Melkschemeln und Co. ganz funktionale und moderne Schätzchen zaubern. Viel Spaß beim Dachbodendurchstöbern...



Liebe Grüße von  









Ps: Wo ich die Bank nun schon habe, vielleicht sollte ich über die Anschaffung der Konsole, die sich mit einer Auflage in ein Gästebett verwandelt, nachdenken. Die nächste Auszeichnung für AC wird sicher nicht lange auf sich warten lassen.

Samstag, 5. Januar 2013

Anglophilia

Wie schon erwähnt, bin ich eine begeisterte Trödlerin. In der Oberlausitz habe ich ‚meine zwei festen‘ Lädchen, denen ich regelmäßige Besuche abstatte. Zudem steht mir ein riesiger, alter Dachboden zur Verfügung, auf dem ich nach Herzenslust stöbern, entstauben, suchen und finden kann.

Hin und wieder schlägt mein Trödel- und Vintageherz sogar noch ein wenig höher, nämlich dann, wenn ich in Englands Antikshops oder auf dortigen Flohmärkten unterwegs bin. Und das kommt gar nicht allzu selten vor. Hier kommt eins zum anderen. Das eine kann man als ‘Anglophilia‘ beschreiben. Meine unglaubliche Liebe zu Land, Leuten, Musik, Sprache, Kultur, Kunst, Literatur und ja, auch dem Essen. Glaubt es einfach. Wer mich persönlich kennt, hat schon längst aufgehört zu fragen, woher das eigentlich kommt. Ich weiß es nicht, es ist einfach da, so lange wie ich denken kann. So. 


Dank ‘Anglophilia‘ (hört es sich nicht an wie ein wunderschöner Vorname?!) hat auch hier und da ein bisschen der englische Stil Einzug gehalten. Ein Trödelladenfund, von dem ich meine Augen nur schwer abwenden kann, ist eine alte englische Badewannenarmatur, die unbeachtet vor einem Antiklädchen in einer bezaubernden englischen Kleinstadt lag, in der unmittelbaren Nachbarschaft von Dingen, die mehr oder weniger zum Schrottpreis zu haben waren. Vom schrulligen Ladenbesitzer in Tweed und Schirmmütze war nur zu hören (zu sehen war er hinter seinem vollen Trödel-Counter gar nicht): "...not working, can have it for twenty quid..." Das hieß so viel wie: nur weg mit dem alten Ding, dann muss ich es heute Abend wenigstens nicht wieder rein schleppen. Der Mister hatte wohl Recht, dachte ich beim näheren Betrachten. Nichts ließ sich mehr bewegen, die Farbe des ganzen war eher grün als alles andere. Nur zur Deko war mir die Armatur allerdings zu sperrig und vor allem zu schwer. Hm. Ach, egal, erst mal weiter spazieren, schließlich stand ein Besuch in meinem örtlichen Lieblingscafé und der obligatorische Tea mit den leckeren Scones noch aus.
Ihr könnt euch‘s sicher schon denken; auf dem Rückweg zum Auto reichte ich die 20 Pfund rüber und schleppte das Ding bis zum Parkplatz. Zum Glück kenne ich jemanden, dessen Leidenschaft mal nicht Holz sondern altes Metall ist und bei dem der Spaß am Restaurieren erst mit einer richtigen Herausforderung beginnt. "Bitteschön, für die nächsten Tage deins, probier‘ dich einfach mal dran"  waren meine Worte als ich das schwere Ding wieder aus dem Kofferraum in Deutschland auslud.
Bis dahin hatte ich die Wirkung von heißer Zitrone vollkommen unterschätzt. Mein kleines, schweres Metallmitbringsel hatte in den folgenden Tagen einen richtigen Wellnessaufenthalt in besagter Flüssigkeit. Es wurde komplett in seine Einzelteile zerlegt, alle Dichtungen ausgetauscht, sogar ein wenig neues Metall eingeschweißt. Na bitte, immerhin ließen sich die Hähne wieder bewegen. Die wenigen Restflecken stören mich nicht, sie gehören eben dazu. Danke lieber ‘Metallflüsterer‘! In deiner kleinen Werkstatt von deren Fenster man die Hänge des Rotsteins sieht, geschehen wahre Wunder. Ob die Armatur auch wirklich funktioniert, war bis dahin noch ungewiss.


"Bitte, bitte, bitte". Das musste sich der Installateur mehrmals von mir anhören. "Ich übernehm‘ auch das volle Risiko. Wenn es nicht klappt, ist es nicht deine Schuld." Die Sache mit der Berufsehre und dem guten Ruf kann ich ja nur allzu gut verstehen. Aber so kurz vor dem Ziel aufgeben. Nö, das sah ich nun wirklich nicht ein. Außerdem wartete die Badewanne mit den Löwenfüssen doch sehnsüchtig auf eine passende Ergänzung. Die Aussicht auf eine verlässliche Partnerin, um endlich den Dienst antreten zu können, konnte ich doch nicht so einfach sterben lassen. Mit diesem Argument gelang es mir, den Installateur nun endlich breit zu schlagen. "Jahaaaa, ich übernehme auch die Verantwortung!!! Leg schon los."




Ihr glaubt gar nicht, wie toll es (vor allem bei diesen Temperaturen) ist, die Hähne auf- bzw. zuzudrehen und das heiße Wasser aus dem alten Hahn plätschern zu sehen. Und am Ende bediene ich immer noch ganz ehrfürchtig den großen Hebel, wenn  ich von ‘Bath‘ auf ‘Shower‘ umschalte. Mister Tweed kann sich wegen seiner falschen Prognose ärgern, denn solche alten Schätzchen sind weit mehr wert. Der Installateur war am Ende sehr stolz, mal nicht den genormten Grohe & Co. Standard verbaut zu haben. Und ich freu mich einfach, dass die alte eiserne Lady nun ein zweites Leben auf dem Kontinent führt.

Liebe Grüße,





 







Badewanne: Imperial (www.imperialbathroom.com)
Sessel: Sperrmüll
Aufbewahrungsdose: TKMaxx
Badewannenbrücke: Marks & Spencer